🎧 Heute lieber hören? Dann lehne dich zurück oder geh eine Runde spazieren.
Ich frage mich immer wieder, was passiert, wenn KI uns Aufgaben abnimmt. Was wird dadurch leichter? Und was sollten wir vielleicht trotzdem noch selbst lernen und machen?
Manchmal beschäftigt mich das auch, wenn ich mit meinen Kindern am Küchentisch sitze und ihnen bei den Hausaufgaben helfe.
Wie viele andere Kinder haben auch meine Jungs in manchen Fächern Schwierigkeiten. Zum Beispiel in Deutsch. Besonders bei der Rechtschreibung muss ich oft an meine eigene Schulzeit denken.
Mir fiel Rechtschreibung schon immer schwer. Ich habe mich damals durch die Schule gequält, versucht, die Regeln zu verstehen, und trotzdem nie richtig den Dreh rausbekommen.
Das hatte auch Folgen außerhalb der Schule. Lange habe ich mich nicht richtig getraut, meine Gedanken aufzuschreiben und mit anderen zu teilen.
Heute ist das anders.
Ich schreibe regelmäßig und lasse meine Texte von KI korrigieren. Die Gedanken bleiben meine, aber ich muss mir nicht mehr ständig Sorgen um meine Rechtschreibung machen.
Wenn ich jetzt sehe, womit sich meine Kinder in der Schule beschäftigen, komme ich ins Grübeln.
Müssen sie sich mit denselben Dingen abmühen wie ich damals? Schließlich kann KI heute schon vieles übernehmen, was ich früher mühsam lernen musste.
Gleichzeitig merke ich, dass ich KI heute auch deshalb gut nutzen kann, weil ich selbst schon viel gelernt und ausprobiert habe.
Ich kann viele ihrer Antworten einschätzen, hinterfragen und erkennen, wenn etwas nicht zu dem passt, was ich erreichen möchte.
Diese Erfahrungen habe ich über viele Jahre gesammelt. Und ich frage mich, wie meine Kinder solche Erfahrungen machen sollen, wenn KI ihnen immer mehr Aufgaben abnimmt.
Es wäre also zu einfach zu sagen, dass sie etwas nicht mehr lernen müssen, nur weil KI es übernehmen kann.
Aber woran sollen wir dann entscheiden, was Kinder künftig lernen sollten?
Als ich mich mit dieser Frage beschäftigt habe, bin ich auf die Idee gestoßen, Kinder stärker auf Fähigkeiten vorzubereiten, die auch in einer Welt mit KI wichtig bleiben.
Das klang für mich zunächst ziemlich einleuchtend.
Ich habe den Gedanken dann für mich weitergesponnen: Vielleicht sollten Kinder vor allem das lernen, was Maschinen nicht können.
Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto weniger hat mich diese Antwort überzeugt.
Denn was Maschinen können, verändert sich ständig.
Heute halten wir vielleicht Kreativität oder bestimmte Entscheidungen für etwas, das vor allem Menschen können. Aber wer weiß, wie das in zehn Jahren aussieht?
Wenn wir Bildung nur daran ausrichten, was KI gerade noch nicht kann, würden sich unsere Bildungsziele jedes Mal verschieben, wenn KI etwas Neues lernt.
Aber ist das wirklich ein sinnvoller Maßstab dafür, was unsere Kinder lernen sollen?

Einfach weitermachen wie bisher überzeugt mich allerdings genauso wenig.
KI verändert schon heute, wie wir arbeiten, lernen und miteinander umgehen. Und diese Veränderungen werden auch die Welt prägen, in der unsere Kinder später leben.
Natürlich muss sich Bildung daran anpassen.
Schließlich sollen meine Kinder später in einer Welt zurechtkommen, die sich gerade ziemlich verändert.
Außerdem sehe ich gerade durch KI neue Möglichkeiten für das Lernen.
Kinder lernen unterschiedlich schnell, brauchen unterschiedliche Erklärungen und kommen nicht alle mit denselben Aufgaben gleich gut zurecht. Vielleicht kann KI dabei helfen, stärker auf diese Unterschiede einzugehen.
Ich finde also durchaus, dass sich Schule verändern muss. Und ich sehe viele Möglichkeiten, wie KI dabei helfen könnte.
Aber ich frage mich, ob wir bei der Diskussion darüber, was Kinder künftig lernen sollen, nicht einen Schritt überspringen.
Bisher habe ich vor allem darüber nachgedacht, was meine Kinder noch lernen müssen.
Welche Fähigkeiten werden sie später brauchen? Welche Aufgaben wird KI übernehmen? Was sollten sie deshalb weiterhin selbst können?
Dabei ist mir aufgefallen, dass ich eine viel grundsätzlichere Frage bisher kaum gestellt habe: Wozu sollen meine Kinder eigentlich lernen?
Wenn ich beispielsweise an die Rechtschreibung denke, kann ich unterschiedlich auf das Lernen schauen.
Geht es darum, möglichst fehlerfreie Texte zu schreiben? Darum, Sprache besser zu verstehen? Oder darum, die eigenen Gedanken ausdrücken und mit anderen teilen zu können?
Das eine schließt das andere nicht aus. Aber je nachdem, welches Ziel wir verfolgen, müssen wir vielleicht auch anders darüber nachdenken, was Kinder lernen sollten und welche Hilfsmittel dabei sinnvoll sind.
Und diese Frage geht für mich inzwischen weit über die Rechtschreibung hinaus.
Natürlich möchte ich, dass meine Kinder später gut zurechtkommen. Aber ist das schon alles, was Schule ihnen mitgeben sollte?
Oder geht es auch darum, die Welt zu verstehen, eigene Entscheidungen zu treffen und herauszufinden, wie man sein Leben gestalten möchte?
Ich habe darauf noch keine fertige Antwort.
Aber eines ist mir durch das Nachdenken klarer geworden:
Was KI kann, sollte beeinflussen, was und wie unsere Kinder lernen. Aber es sollte nicht allein bestimmen, wozu sie lernen.
Denn was KI morgen kann, wissen wir nicht. Aber was wir unseren Kindern mitgeben wollen, sollte nicht allein davon abhängen.
Bis ganz bald
Dein Stevie
