🎧 Lieber hören als lesen? Dann lehne dich zurück oder geh eine Runde spazieren.

Vor Kurzem wollte ich Lachs im Dampfgarer zubereiten. Ich wusste, was ich wollte, nur nicht genau, wie ich es machen sollte.

Früher hätte ich vielleicht meine Schwiegermutter angerufen oder nach einer Anleitung im Internet gesucht. Heute frage ich eine KI und bekomme innerhalb weniger Sekunden eine ziemlich brauchbare Antwort.

Das funktioniert so gut, weil meine Frage klar ist. Ich möchte Lachs zubereiten, und es gibt genügend Menschen, die das vor mir gemacht haben.

Aber was passiert, wenn ich noch gar nicht so genau weiß, welches Problem ich eigentlich lösen will?

Vor einiger Zeit habe ich eine interne Schulung begleitet. Ich war als zweiter Trainer dabei und hatte das Konzept nicht selbst entwickelt. Dabei fiel mir auf, dass einige Inhalte die Teilnehmenden nicht besonders erreichten. Manche Teile waren langweilig, und die Fragen und Rückmeldungen gingen häufig in eine andere Richtung als die geplanten Inhalte.

Ich fand das etwas seltsam, habe es aber erst mal so akzeptiert. Die Gestaltung des Trainings lag zu dem Zeitpunkt noch nicht in meinem Einflussbereich.

Als ich später dann aber selbst das Training leiten sollte, sah das anders aus.

Ich kann nur schwer ein Training durchführen, von dem ich nicht überzeugt bin. Wenn Menschen Zeit investieren, möchte ich, dass ihnen das Training auch wirklich etwas bringt.

Deshalb habe ich nicht einfach ein paar Übungen ausgetauscht oder die bestehenden Inhalte interessanter aufbereitet. Ich habe neue Themen aufgenommen und die Schwerpunkte verändert.

Denn die entscheidende Frage war nicht, wie wir das Training spannender gestalten, sondern was die Menschen in so einem Training wirklich brauchen.

Und genau das beschäftigt mich im Zusammenhang mit KI.

Wenn ich eine KI bitte, mir zehn kreative Übungen für ein Training vorzuschlagen, bekomme ich innerhalb weniger Sekunden zehn Vorschläge. Vielleicht sogar ziemlich gute.

Aber wenn ich bereits von der falschen Vorstellung ausgehe, was die Teilnehmenden brauchen, helfen mir auch die besten Übungen nicht unbedingt weiter.

Die KI hätte dann möglicherweise eine hervorragende Lösung für ein Problem entwickelt, das gar nicht das eigentliche Problem war.

Andererseits habe ich auch schon erlebt, dass KI genau diese Vorstellung hinterfragt.

Vor Kurzem habe ich eine Präsentation für die Management-Ebene vorbereitet. Ich wollte sie nach dem bekannten Why-How-What-Ansatz von Simon Sinek aufbauen. Damit habe ich bisher gute Erfahrungen gemacht.

Die KI hat mir allerdings eine andere Perspektive angeboten: Für diese Zielgruppe wäre es sinnvoller, gleich zu Beginn deutlich zu machen, worüber entschieden werden soll.

Das fand ich nachvollziehbar. Ich hätte die Präsentation sonst wie gewohnt aufgebaut.

Die KI hat mir also nicht einfach geholfen, meine Idee umzusetzen. Sie hat mich dazu gebracht, meine ursprüngliche Herangehensweise zu überdenken.

Wenn ich an die beiden Situationen denke, fällt mir auf, wie unterschiedlich KI uns unterstützen kann.

Sie kann Antworten liefern, Ideen entwickeln und vorhandene Konzepte verbessern. Aber sie kann uns möglicherweise auch dabei helfen, herauszufinden, ob wir überhaupt das richtige Problem bearbeiten.

Natürlich braucht sie dafür Informationen.

Bei dem Training waren es beispielsweise Fragen, Reaktionen und Gespräche, durch die ich gemerkt habe, dass etwas nicht richtig passte. Vieles davon wäre in einem gewöhnlichen Feedbackbogen wahrscheinlich gar nicht aufgetaucht.

Gleichzeitig kann auch ich solche Situationen falsch einschätzen. Vielleicht würde eine KI mit ausreichend Informationen sogar Zusammenhänge erkennen, die mir entgangen sind.

Ich merke jedenfalls, dass ich KI bisher häufig mit einer ziemlich konkreten Vorstellung davon nutze, was ich erreichen möchte.

Vielleicht könnte ich sie öfter schon einen Schritt früher einbeziehen. Nicht nur fragen, wie ich meine Idee am besten umsetze, sondern auch, ob mein Ansatz überhaupt zum eigentlichen Problem passt.

Beim Lachs wäre das vermutlich etwas übertrieben.
Aber bei komplexeren Herausforderungen?

Ich frage mich, wie oft wir mit KI bereits an einer Lösung arbeiten, obwohl wir uns die entscheidenden Fragen noch gar nicht gestellt haben.

Bis ganz bald
Dein Stevie