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Vor einiger Zeit habe ich eine Präsentation für einen Vortrag in einem Change-Workshop vorbereitet.
Ich hatte grob im Kopf, worüber ich sprechen wollte. Es ging um Veränderung und darum, wie wir damit umgehen. Aber die eigentliche Geschichte war noch nicht fertig.
Die entstand erst beim Bauen der Präsentation.
Ich habe erste Folien erstellt, Bilder ausprobiert, Dinge wieder verworfen und mich dabei immer wieder gefragt:
Was brauchen die Menschen, die in diesem Workshop sitzen, eigentlich wirklich?
Nicht: Was könnte ich alles über Veränderung erzählen?
Sondern: Was davon hat mit dem zu tun, was uns gerade tatsächlich beschäftigt?
Dadurch kamen immer mehr eigene Erfahrungen dazu. Situationen, die ich selbst schwierig fand oder von denen mir andere Kolleginnen und Kollegen erzählt haben. Dinge, bei denen Veränderung für mich nicht nur irgendein Modell auf einer Folie war, sondern ziemlich konkret.
Und mit jeder Folie wurde auch die Geschichte konkreter.
Aber eigentlich könnte ich das Erstellen der Präsentation an eine KI abgeben und mich dann voll darauf konzentrieren, wie ich die Präsentation rüberbringen möchte, oder?
KI kann heute schon ziemlich gute Präsentationen bauen.
Sie kann Inhalte strukturieren, Geschichten entwickeln und inzwischen auch Bilder erstellen, die genau zu einer Folie passen.
Und wahrscheinlich könnte ich ihr auch ziemlich genau beschreiben, wie ich Präsentationen normalerweise aufbaue. Welche Art von Storytelling ich mag, wie wenig Text ich benutze und wie ich Bilder einsetze.
Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger überzeugt mich deshalb das Argument:
„So etwas kann KI einfach nicht so gut wie ein Mensch."
Vielleicht kann sie es irgendwann genauso gut. Vielleicht teilweise heute schon. Aber darum geht es mir gar nicht.
Ich möchte diese Arbeit trotzdem nicht abgeben, weil meine Präsentationen nicht erst nach dem Denken entstehen.
Für mich war das Erstellen einer Präsentation schon immer ein kreativer Prozess.Aber eigentlich passiert dabei noch etwas anderes: Ich habe nicht zuerst eine komplett fertige Geschichte im Kopf und baue danach die passenden Folien dazu.
Beim Erstellen der Präsentation finde ich einen Teil der Geschichte überhaupt erst.
Ich probiere etwas aus und merke, dass es nicht passt.
Ein Bild bringt mich auf einen anderen Gedanken.
Bei einer Folie frage ich mich plötzlich, ob das für die Menschen, die später beim Vortrag vor mir sitzen, überhaupt relevant ist.
Und manchmal merke ich dadurch erst, was ich eigentlich sagen möchte.
Das Erstellen der Präsentation ist damit nicht nur Produktion. Es ist ein Teil meines Denkens.
Andere Teile der Vorbereitung gebe ich dagegen sehr gerne ab. Das merke ich besonders, wenn ich an etwas denke, womit ich früher sehr viel Zeit verbracht habe: Bilder suchen.

Ich habe immer ziemlich genaue Vorstellungen davon, welches Bild ich haben will.
Also habe ich Bilderplattformen und Google durchsucht. Dann war ein Bild zu klein. Das nächste hatte das falsche Format. Ein anderes musste zugeschnitten werden. Und irgendwann hatte ich nach ziemlich langer Suche etwas, das ungefähr zu meiner Idee passte.
Das vermisse ich wirklich überhaupt nicht.
Heute kann ich das Bild, das ich im Kopf habe, mit KI erstellen.
Das Bild unterstützt immer noch meine Geschichte. Aber ich muss nicht mehr eine Stunde damit verbringen, es irgendwo zu finden.
Beides gehört streng genommen zum Erstellen einer Präsentation.
Und beides kann mir KI abnehmen. Trotzdem fühlt es sich für mich völlig unterschiedlich an.
Beim einen nimmt sie mir Arbeit ab.
Beim anderen würde sie mir den Teil der Arbeit abnehmen, durch den meine Gedanken überhaupt entstehen.
Genau deshalb habe ich in den letzten Wochen viel darüber nachgedacht, welche Arbeit KI künftig übernehmen kann.
Aber vielleicht reicht diese Frage nicht.
Denn wenn eine KI etwas kann, heißt das noch nicht automatisch, dass es sinnvoll ist, es ihr auch vollständig zu überlassen.
Gleichzeitig möchte ich auch nicht anfangen, jede anstrengende Tätigkeit zu romantisieren.
Ich möchte nicht wieder stundenlang Bilder googeln, nur weil ich dabei theoretisch auch über meine Präsentation nachdenken kann.
Und es geht auch nicht darum, alles selbst zu machen, was Spaß macht, und den langweiligen Rest der KI zu geben.
Meine persönliche Regel für den Umgang mit KI ist darum gerade:
Ich möchte KI dort einsetzen, wo sie mich entlastet, aber nicht dort, wo das Tun selbst Teil meines Denkens ist.
Vielleicht wird sich diese Grenze noch verschieben.
Wahrscheinlich gibt es auch Tätigkeiten, bei denen sie deutlich schwieriger zu erkennen ist als bei meinen Präsentationen.
Aber nach all den Fragen darüber, was KI mit unserer Arbeit und unserem Denken macht, finde ich diese Perspektive gerade hilfreich.
Nicht nur: Was kann KI für mich übernehmen?
Sondern auch: Was passiert mit mir, wenn ich es nicht mehr selbst mache?
Bis ganz bald
Dein Stevie
