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Seit einiger Zeit fällt mir auf, wie selbstverständlich wir bei Menschen und bei KI dasselbe Wort benutzen: Intelligenz.

Das ergibt ja auch Sinn.

Eine KI kann Informationen verarbeiten, Muster erkennen, Zusammenhänge herstellen und daraus ziemlich gute Schlüsse ziehen.

Trotzdem frage ich mich, ob das schon alles beschreibt, was ich meine, wenn ich bei einem Menschen von Intelligenz spreche.

Vor allem dann, wenn andere Menschen beteiligt sind.

Ich musste dabei an eine Situation bei der Arbeit denken.

Ich war mit einer geplanten Vorgehensweise nicht einverstanden. Für mich passten einige Dinge nicht zusammen und ich war überzeugt, dass wir an einer wichtigen Stelle anders vorgehen sollten.

Also habe ich das angesprochen.

Ziemlich direkt.

Meine Kritik wurde als Angriff verstanden und das Gespräch kippte. Plötzlich ging es kaum noch um den Punkt, den ich eigentlich einbringen wollte.

Wenn ich heute darauf zurückblicke, denke ich immer noch, dass meine Beobachtung wichtig war.

Ich würde sie wieder ansprechen.

Nur anders.

Denn durch die Art, wie ich meinen Gedanken eingebracht habe, habe ich selbst dazu beigetragen, dass genau dieser Gedanke kaum noch gehört wurde.

Und genau das finde ich im Nachhinein interessant.

Die einfache Erkenntnis wäre: Ich hätte besser kommunizieren müssen.

Aber für mich steckt da noch etwas anderes drin.

Ich hatte etwas beobachtet, daraus einen Schluss gezogen und war mir ziemlich sicher, dass meine Einschätzung richtig ist.

Trotzdem war damit noch lange nicht klar, was in diesem Moment eine gute Reaktion gewesen wäre.

Denn in dem Moment, in dem ich meine Meinung ausgesprochen habe, habe ich die Situation selbst verändert.

Mein Gegenüber hat auf mich reagiert.

Ich wiederum auf diese Reaktion.

Und plötzlich war ich nicht mehr nur jemand, der auf etwas schaut und versucht, es richtig einzuschätzen.

Ich war mittendrin.

Wenn ich KI nutze, denke ich häufig darüber nach, wie gut sie etwas analysieren oder einschätzen kann.

Und vielleicht hätte sie in meiner Situation sogar ziemlich gut erkannt, was passieren könnte.

Vielleicht hätte sie mir gesagt: Dein Punkt ist nachvollziehbar. Aber wenn du ihn so formulierst, wird dein Gegenüber wahrscheinlich gar nicht mehr darüber nachdenken können.

Dann hätte die KI die Situation in diesem Moment vermutlich besser eingeschätzt als ich.

Deshalb geht es mir auch nicht darum zu behaupten, dass Menschen solche Situationen grundsätzlich besser verstehen können.

Ich glaube sogar, dass eine KI mir dabei ziemlich gut helfen kann.

Sie kann eine andere Perspektive einbringen. Ich kann mit ihr verschiedene Reaktionen durchspielen oder prüfen, wie das, was ich sagen möchte, bei jemand anderem ankommen könnte.

Das hätte mir in dieser Situation vermutlich nicht geschadet.

Und trotzdem bleibt für mich etwas offen.

Denn ich beurteile eine solche Situation nicht nur.

Ich muss in ihr handeln.

Und danach muss ich mit dem umgehen, was mein Handeln ausgelöst hat.

In meinem Beispiel war die Sache nach meiner Aussage nicht vorbei.

Ich musste mit der Reaktion meines Gegenübers umgehen. Mit meiner eigenen Reaktion darauf. Und irgendwann auch mit der Frage, ob ich beim nächsten Mal etwas anders machen würde.

Heute würde ich sagen: Ja.

Nicht unbedingt, weil ich meine ursprüngliche Einschätzung geändert habe.

Sondern weil ich erlebt habe, was meine Art, sie einzubringen, ausgelöst hat.

Und diese Erfahrung nehme ich beim nächsten Mal mit.

Vielleicht liegt genau darin etwas, das bei der Frage nach menschlicher und künstlicher Intelligenz schnell verloren geht.

Nicht darin, dass wir Menschen mehr Informationen haben.

Und auch nicht darin, dass wir automatisch besser entscheiden. Mein Beispiel spricht eher dagegen.

Sondern darin, dass wir selbst Teil dessen sind, was passiert.

Wir entscheiden etwas.
Wir machen etwas.
Wir sehen, was daraus entsteht.

Und das verändert wiederum, wie wir beim nächsten Mal handeln.

Natürlich kann KI mich dabei unterstützen.

Vielleicht hilft sie mir sogar dabei, nicht noch einmal auf dieselbe Art in so eine Situation zu stolpern.

Das wäre ziemlich praktisch.

Aber vielleicht beschäftigt mich deshalb inzwischen weniger, was KI alles für mich übernehmen kann.

Mich interessiert mehr, was ich weiterhin selbst erleben möchte, weil genau daraus etwas entsteht, das ich beim nächsten Mal brauche.

Manche Dinge kann ich vorher durchdenken. Ich kann mir Rat holen und verschiedene Möglichkeiten durchspielen.

Aber irgendwann muss ich entscheiden, was ich tatsächlich tue.

Und dann passiert etwas.
Vielleicht genau das, was ich erwartet habe.
Vielleicht auch etwas völlig anderes.

Und daraus nehme ich wieder etwas mit.

Bis ganz bald
Dein Stevie