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Vor Kurzem habe ich ein Briefing gelesen, das jemand mit KI erstellt hat.
Es war gut strukturiert, enthielt viele Fachbegriffe und formulierte konkrete Anforderungen. Eigentlich sah es nach einer guten Grundlage für die weitere Zusammenarbeit aus.
Trotzdem bin ich beim Lesen über ein paar Dinge gestolpert. Manche Beschreibungen kamen mir nicht ganz passend vor.
Ich habe kurz gestutzt und darüber nachgedacht, aber nicht weiter nachgefragt. Ich war mir sicher, dass die Person, die das Briefing erstellt hat, sich etwas dabei gedacht hat.
Hätte ich auf mein Gefühl gehört und nachgefragt, hätte ich mir wohl etwas Stress erspart. Denn bei der späteren Umsetzung zeigte sich, dass einige meiner Zweifel durchaus berechtigt waren.
Im Briefing wurden beispielsweise Fachbegriffe verwendet und daraus konkrete Anforderungen abgeleitet. Allerdings beruhten einige dieser Anforderungen auf Annahmen, die für unser konkretes Vorhaben gar nicht zutrafen.
Auch andere Anforderungen passten nicht richtig zum Produkt, zur Zielgruppe oder zur Situation.
Wir mussten nachträglich Dinge klären, verändern und überarbeiten. Was ursprünglich wie eine gute Vorbereitung aussah, führte am Ende zu zusätzlicher Arbeit.
Im Nachhinein hat mich daran vor allem eines beschäftigt: Warum hatte ich meine eigenen Zweifel eigentlich so schnell beiseitegeschoben?
Ich glaube, weil das Briefing bereits so fertig wirkte.
Die Fachbegriffe waren da. Die Anforderungen waren formuliert. Die Struktur war nachvollziehbar.
Dadurch bin ich davon ausgegangen, dass sich jemand ausführlich mit den fachlichen Zusammenhängen beschäftigt hatte.
Aber genau das war offenbar nicht ausreichend passiert.
Und damit lande ich wieder bei dem Thema KI.
Ich nutze KI selbst regelmäßig, um Konzepte zu entwickeln, Texte zu schreiben und mich in neue Themen einzuarbeiten.
Dabei ist sie für mich manchmal wie ein geduldiger Lernpartner. Ich kann nachfragen, mir Zusammenhänge erklären lassen und neue Informationen mit dem verbinden, was ich bereits weiß.
Das hilft mir nicht nur, schneller Ergebnisse zu bekommen, sondern auch, Dinge besser zu verstehen.
Natürlich bedeutet das nicht, dass ich dadurch plötzlich alles weiß oder jeden Vorschlag richtig einschätzen kann. Gerade bei diesem Briefing bin ich schließlich meinen eigenen Zweifeln nicht weiter nachgegangen.
Aber was passiert, wenn wir KI vor allem dafür nutzen, möglichst schnell zu einem professionellen Ergebnis zu kommen?
Ein Briefing kann fachlich überzeugend aussehen, obwohl wichtige Fragen noch gar nicht geklärt wurden.
Und das ist eigentlich nichts Neues.
Auch früher gab es Präsentationen voller Fachbegriffe und Konzepte, die in der Praxis nicht funktioniert haben. Man konnte schon immer viel schreiben, ohne alles verstanden zu haben.
Vielleicht macht KI es aber wesentlich einfacher, solche Ergebnisse zu erzeugen.
Sie kann uns in kurzer Zeit Vorschläge liefern, für deren Ausarbeitung wir früher deutlich länger gebraucht hätten. Und diese Vorschläge können so gut formuliert sein, dass wir gar nicht unbedingt merken, welche Zusammenhänge noch fehlen.
Dabei ist es überhaupt kein Problem, wenn jemand etwas noch nicht weiß.
Wenn ich ein Briefing bekomme und mein Gegenüber sagt, dass es sich um einen ersten Vorschlag handelt und noch fachliche Fragen offen sind, können wir gemeinsam daran arbeiten. Ich bringe meine Erfahrung ein, andere ergänzen ihre Perspektiven und wir entwickeln das Ergebnis weiter.
Schwieriger wird es, wenn ein Dokument bereits den Eindruck vermittelt, dass diese Arbeit stattgefunden hat.
Dann übernehmen wir möglicherweise Annahmen, die eigentlich niemand ausreichend geprüft hat. Und merken erst bei der Umsetzung, dass etwas nicht passt.
Aus der vermeintlichen Abkürzung wird zusätzliche Arbeit.

Vielleicht liegt darin eine Herausforderung, über die wir bei KI noch zu wenig nachdenken.
Bisher habe ich mich oft gefragt, wie KI mein eigenes Denken und Lernen verändert.
Aber ich frage mich auch, was sie mit unserer Zusammenarbeit macht.
Denn wenn KI uns hilft, immer schneller professionell wirkende Ergebnisse zu erstellen, können wir leicht übersehen, ob dahinter auch alles ausreichend durchdacht ist.
Ich möchte beim nächsten Mal jedenfalls genauer hinschauen, wenn ich beim Lesen über etwas stolpere. Auch wenn das Ergebnis auf den ersten Blick überzeugend aussieht.
Aber was ist mit den Fällen, in denen ich gar nicht stutze, weil alles so überzeugend wirkt?
Wie können wir dann erkennen, ob hinter einem gut ausgearbeiteten Ergebnis auch die notwendigen Überlegungen stecken?
Bis ganz bald
Dein Stevie
