Wenn ich jemandem erzähle, woran ich gerade arbeite, zähle ich meistens Dinge auf, die irgendwann fertig sind.

Ein Projekt. Ein Konzept. Eine Präsentation.

Am Ende gibt es dann meistens eine Datei, die ich öffnen oder verschicken kann. Meine Vorgesetzten und meine Kolleginnen und Kollegen können sehen, was entstanden ist.

Andere Teile meiner Arbeit lassen sich aber deutlich schwerer zeigen.

Beispielsweise ein Gespräch, in dem gemeinsam eine neue Idee entsteht. Ein Moment, in dem jemand etwas anders sieht als vorher. Oder in dem ich merke, dass gerade etwas anderes wichtig ist als das, was eigentlich geplant war.

Auch das gehört zu meiner Arbeit. Es hinterlässt nur selten eine Datei.

Vielleicht fällt mir dieser Unterschied gerade deshalb stärker auf, weil KI mich bei vielen sichtbaren Ergebnissen unterstützt. Sie hilft mir, Informationen zu sortieren, Texte zu schreiben und aus ersten Gedanken schneller etwas Brauchbares zu machen.

Und während ich mich darüber freue, wie viel ich in kürzerer Zeit schaffen kann, beschäftigt mich gleichzeitig diese Frage:

Was könnte mehr Raum bekommen, wenn die Produktion weniger Zeit braucht?

Ich denke dabei zum Beispiel an eine Kollegin, die ich beim Einstieg in ein neues Thema begleitet habe. Dafür habe ich mit Unterstützung von KI einen Plan erstellt, der ihr helfen sollte, sich zurechtzufinden.

Als wir uns den Plan gemeinsam angeschaut haben, haben wir dann aber viel darüber gesprochen, was ihr bei manchen Aufgaben Sorgen macht. Mir war wichtig, dass sie weiß: Sie muss bei mir nichts beweisen und kann alle Fragen und Bedenken offen ansprechen.

Dadurch habe ich besser verstanden, wo sie Unterstützung braucht und wie ich ihr helfen kann.

Der Plan war weiterhin hilfreich. Aber was sie beschäftigt, habe ich erst erfahren und verstanden, als wir uns Zeit dafür genommen haben.

Für genau solche Gespräche könnte mehr Raum entstehen, wenn KI mir bei der Vorbereitung Arbeit abnimmt.

Ich frage mich, ob das in anderen Berufen ähnlich sein könnte.

Ich kenne den Alltag einer Ärztin nicht aus eigener Erfahrung. Aber ich stelle mir vor, welchen Unterschied es machen könnte, wenn KI ihr zum Beispiel beim Schreiben von Berichten hilft.

Sie könnte dann in derselben Zeit mehr Menschen behandeln. Oder sich mehr Zeit für den einzelnen Menschen nehmen.

Zuhören. Nachfragen. Etwas noch einmal erklären.

Vielleicht bemerkt sie dabei auch ein Detail, das sonst untergeht.

Eine Lehrkraft könnte vielleicht weniger Zeit damit verbringen, Unterrichtsmaterial zu erstellen, und mehr Zeit mit einem Kind, das gerade nicht mitkommt.

Eine Führungskraft könnte schneller Berichte und Budgetplanungen erstellen. Und dadurch mehr Zeit für ein Gespräch haben, in dem jemand eine Frage klären möchte oder gerade nicht weiß, wie es weitergeht.

Für meine Arbeit brauche ich weiterhin gute Unterlagen und durchdachte Pläne. Aber vielleicht muss ich nicht mehr so viel Zeit damit verbringen, sie zu erstellen.

Dann könnte ich mir mehr Zeit dafür nehmen, zuzuhören und gemeinsam mit anderen über etwas nachzudenken.

Vielleicht ist es genau das, was mit Präsenz gemeint ist.

Dass ich mit jemandem im selben Raum sitze, heißt ja noch nicht, dass ich ihm wirklich zuhöre. Dafür muss ich auch mit meinen Gedanken bei ihm sein und mitbekommen, was ihn gerade beschäftigt.

Vielleicht liegt für mich der größte Gewinn von KI also nicht darin, dass wir in derselben Zeit mehr Menschen erreichen. Sondern darin, dass wir den einzelnen Menschen besser erreichen.

Gleichzeitig merke ich auch, dass mehr Zeit für ein Gespräch mir noch nicht automatisch sagt, wie ich einem Menschen helfen kann.

Bei meiner Kollegin musste ich trotzdem einschätzen können, ob eine Erklärung helfen würde oder ob ich erst einmal weiter zuhören sollte.

Dabei hilft mir meine Erfahrung. Genauso wie bei der Vorbereitung: KI kann mir einen Plan vorschlagen. Aber ich muss beurteilen können, ob die Schritte sinnvoll sind und ob etwas Wichtiges fehlt.

Ich greife dabei auf das zurück, was ich selbst gelernt und gemacht habe.

Und genau an diesem Punkt bleibe ich gerade hängen.

Ich wünsche mir mehr Zeit für die Arbeit mit Menschen. Gleichzeitig nimmt KI mir bei der Vorbereitung Aufgaben ab, durch die ich selbst gelernt habe, was einen guten Plan ausmacht.

Ich habe diese Erfahrung schon.

Aber wie entsteht Erfahrung, wenn KI von Anfang an einen großen Teil der Arbeit übernimmt?

Und wie lernen wir dann, selbst zu beurteilen, was sinnvoll ist?

Bis ganz bald
Dein Stevie