Wenn ich heute etwas Neues starte, dann fange ich selten ganz bei null an. Meistens fällt mir etwas ein, das ich irgendwo gesehen oder gelesen habe oder schon selbst gemacht habe.

Trotzdem hatte ich schon immer das Gefühl, dass ich noch nicht gut genug vorbereitet war, wenn ein neues Projekt, ein Training oder ein Vortrag anstand.

Früher musste ich dann immer erst ein bisschen mehr recherchieren. Ein weiteres Buch lesen, einen weiteren Artikel durcharbeiten, eine weitere Definition nachlesen. Ich habe mir dadurch erhofft, genug zu wissen, um die Aufgabe gut zu machen.

Später habe ich dann alles gegoogelt und mich durch alle Blogs und Wikipedia-Artikel gearbeitet, die ich zu dem jeweiligen Thema finden konnte.

Heute unterstützt mich bei der Vorbereitung häufig KI. Ich kann mit ihr Gedanken sortieren, Inhalte erarbeiten und verschiedene Möglichkeiten durchspielen.

Das geht natürlich deutlich schneller, als in Büchern nachzuschlagen. Und manchmal entstehen dabei Ideen, auf die ich selbst gar nicht gekommen wäre.

Aber woher weiß ich, ob das, was dabei herauskommt, auch funktioniert?

Bei einer Moderation, die ich übernommen habe, wurde diese Frage für mich ziemlich konkret.

Ich habe mit der Hilfe von KI eine sehr emotionale Geschichte konzipiert. Darin steckten historische Daten und Zusammenhänge, die ich selbst nur mit viel Aufwand gefunden hätte. Ich hätte die Geschichte also ohne KI vermutlich nicht so vorbereitet und erzählt.

Die KI hatte allerdings auch angemerkt, dass die Formulierungen für die Zielgruppe etwas drüber sein könnten.

Ich musste also selbst entscheiden: Traue ich mir zu, das wirklich so emotional zu machen?

Und zwar so, dass es nicht zu viel Augenrollen erzeugt.

Beim Lesen kann eine Geschichte gut wirken. Sie vor Menschen zu erzählen, mit meiner Stimme und meiner Art, ist noch einmal etwas anderes.

Bei dieser Einschätzung hat mir geholfen, was ich vorher schon in vergleichbaren Situationen mit Menschen erlebt hatte.

Also habe ich es ausprobiert.

Vor mir saßen rund 70 Menschen, die genickt, gelacht und anschließend geklatscht haben. Danach wurde ich darauf angesprochen und habe positive Rückmeldungen bekommen.

Jetzt weiß ich: In dieser Situation hat es funktioniert. Ich konnte die Geschichte so erzählen, dass sie gut angekommen ist. Und deshalb kann ich mir jetzt vorstellen, so etwas öfter zu machen.

Diese Erfahrung musste ich selbst machen. Dafür gab es keine Abkürzung.

Ich hätte die Geschichte noch weiter überarbeiten oder mir erklären lassen können, wie man so was emotional erzählt.

Aber wie ich sie tatsächlich rüberbringe und wie die Menschen darauf reagieren, habe ich erst erfahren, als ich vor ihnen stand.

Das hilft mir, eine Frage zu beantworten, die mich gerade beschäftigt: Wie lernen wir, selbst zu beurteilen, was sinnvoll ist, wenn KI immer mehr für uns vorbereitet?

Für mich gehört dazu weiterhin, Dinge selbst zu machen. Etwas anzuwenden, eine Entscheidung zu treffen und mitzubekommen, was daraus entsteht.

Bücher, Artikel und Gespräche können mir dabei helfen. Ich muss nicht alles selbst herausfinden. Aber um einzuschätzen, wie ich mit einer Situation umgehe, hilft mir auch das, was ich in ähnlichen Situationen selbst erlebt habe.

Bei meiner Moderation kam beides zusammen. Meine bisherige Erfahrung hat mir geholfen, mich auf die Geschichte einzulassen. Durch das Erzählen und die Rückmeldungen ist neue Erfahrung dazugekommen.

Das bedeutet nicht, dass jetzt jede emotionale Geschichte vor jedem Publikum funktioniert. Aber ich habe einen Anhaltspunkt mehr, wenn ich die nächste Moderation vorbereite.

Ich sehe die Vorbereitung mit KI als so etwas wie eine Abkürzung auf dem Weg zu Erfahrungen.

Ich habe mich schon immer vorbereitet, bevor ich etwas Neues gemacht habe. Das Wissen dafür kam auch früher nicht allein von mir. Ich habe gelesen, gesucht und daraus etwas für meine Arbeit entwickelt.

KI hilft mir heute, schneller an den Punkt zu kommen, an dem ich etwas ausprobieren kann. Und sie eröffnet mir Möglichkeiten, die ich vorher vielleicht gar nicht gesehen hätte.

Bei der Moderation ging es genau darum. Ich habe etwas ausprobiert, das ich ohne den Input vermutlich nicht gemacht hätte. Dadurch habe ich auch etwas über mich und meine Wirkung gelernt.

Weniger Zeit für die Vorbereitung könnte deshalb auch bedeuten, dass mehr Raum entsteht, um Erfahrungen zu sammeln. Um etwas anzuwenden, Rückmeldungen zu bekommen und zu überlegen, was ich beim nächsten Mal anders machen möchte.

Es geht mir dabei nicht darum, möglichst viele Versuche in möglichst wenig Zeit unterzubringen. Entscheidend ist, dass ich aus dem, was passiert, etwas mitnehme.

Ich muss die Erfahrung weiterhin selbst machen, um besser beurteilen zu können. Aber KI kann mir helfen, schneller dorthin zu kommen und dabei auch Wege auszuprobieren, auf die ich allein nicht gekommen wäre.

Eine Sache an dieser Moderation beschäftigt mich noch: Die KI hatte ja angemerkt, dass die Formulierungen für die Zielgruppe etwas drüber sein könnten. Ich habe mich trotzdem dafür entschieden und eine positive Rückmeldung bekommen.

Wie kommt die KI eigentlich zu ihrer Einschätzung? Und wie komme ich zu meiner?

Bis ganz bald
Dein Stevie